Montag, 22. November 2010

Herself




Elektropostalische Grüße aus Weilheim. In meinem Email-Postfach befinden sich 4783 Nachrichten, kaum eine ist wertvoller als diese.

Neues Console-Album. Ich ahne Großes (ich bin Fan). Reset the Preset, Live at Centre Pompidou und Mono sind seit Jahren konstante Begleiter.

Ich setze die Kopfhörer auf und verlasse das Haus. Es geht nicht um Rhythmuswechsel, eher um einen Prozess von Einkreisung. Oder Annäherung. Das erinnert immer ein wenig an Jam-Session. Drum herum spielen, abtasten. Dann Miriam, klar wie eh und je: Bit for bit, we're all alone.

Ich gehe weiter, das Licht lässt nach. Die erste Station habe ich vergessen oder bewusst ausgelassen, ich kann mich nicht genau erinnern. Diese Musik ist nahezu schizo: nimmt mich in Beschlag, ohne aufdringlich zu sein.

Ich laufe weiter. Endlich Regen, das fühlt sich gut an. Ich kann über das Wasser gehen.

Ich schätze an Musik viel von dem, was ich auch an Menschen schätze: Freundlichkeit, Unaufdringlichkeit, Intensität ohne plakatives Pathos.

Ich brauche eine Pause. Verbinde mich mit MET+8, kurzes Hallo aus Asien und ein großes Ausrufezeichen für Track Nummer 4. "Her Eyes" zieht mich aus, dann raus, rein in die Nacht. Powered by Unvernunft und Unterbewusstsein. Draußen in der Feierabendgasse beginnt die offizielle Afterhour. 18:30. Ich so im Nebel. Das ist Trance.

Ich schätze an Musik viel von dem, was ich auch an Rauschmitteln schätze: Tiefenschärfe, Herzensbildung, Unverstand.

Dann großes Getanze im Warenhaus. In der Küchenabteilung moonwalkt Billie Jean um die Ecke. Ich grinse. Ich kaufe nicht. Jetzt bloß nicht die Kopfhörer absetzen.

Ich gehe weiter, ich gehe über Los. Ich gehe ins Gefängnis. Ich ziehe eine Ereigniskarte. Ich verlasse das Jahrhundert. Ich bin erwachsen. Ich bin verliebt.

Ich schätze an Musik viel von dem, was ich auch an Liebesbeziehungen schätze: Nahbarkeit, Unmittelbarkeit, ohne Worte ganz dicht dran sein.

Irgend jemand hat die Musik lauter gemacht. Ich kann diese Fläche nicht fassen. Ich bin kein Produktionsfetischist und ich möchte auch keiner werden. Aber das klingt alles so unglaublich ... warm und dicht und behutsam arrangiert.

Ich kann die ursprünglichen Pläne nicht halten, so viel ist klar. Ich muss Konsumabsichten verschieben und Telekommunikationstermine absagen. Heute Abend ist Klausur und Euphorie, here in my own private Einzimmerkopfkino.

Das neue Console-Album heißt "Herself" und erscheint am 26. November.
My name is Sergeant Pfeffer.
Ich bin Fan.

Profil
Abmelden
Weblog abonnieren