Samstag, 7. November 2009

Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht

Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Rußland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Die Lufttemperatur stand in einem ordnungsgemäßen Verhältnis zur mittleren Jahrestemperatur, zur Temperatur des kältesten wie des wärmsten Monats und zur aperiodischen monatlichen Temperaturschwankung. Der Auf- und Untergang der Sonne, des Mondes, der Lichtwechsel des Mondes, der Venus, des Saturnringes und viele andere bedeutsame Erscheinungen
entsprachen ihrer Voraussage in den astronomischen Jahrbüchern. Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913.

Spiegelfechter

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Beim Öffnen der Tür bemerkte ich von alledem noch nichts. Aber schon sehr bald - die ersten Routinen hatten den Tag ins Rollen gebracht - begann diese ganze Verwunderung. Über Nacht schien die Welt verrückt geworden. Nur ein klein wenig. Das Licht ein wenig gelber, die Tische und Stühle um einige Zentimeter verschoben. Leichte Unsicherheit machte meine Bewegungen ungelenker als sonst: machte meine Bewegungen, die doch keine sind, überhaupt erst sichtbar. Ich hatte keine Angst. Der Nebel um uns passte ins Bild und nur deshalb - aufgrund der Tatsache, dass er sich im Bild befand - konnte ich mit weitestgehender Sicherheit ausschließen, dass er nicht der Urheber, der Photograph der Szenerie gewesen war. Spiegel, so schien es mir, dürften keine im Spiel gewesen sein - dazu war diese Angelegenheit zu direkt. Zu nahbar. Und obgleich sich - thematisch passend - meine Sinne allmählich verdunkelten (ich alterte an diesem Vormittag rapide - 2000 lightyears in 20 Minuten), empfinde ich dieses Erlebnis rückwirkend als hell und leicht.

Beim nächsten Öffnen der Tür ging es dann um andere Zustände. Entrückung kommt aber auch in dieser Geschichte vor.
Ich hatte Geburtstag.
Freunde feierten mit mir.
Und tanzten.
Und sangen ein Lied.
Ich war sehr gerührt.

Später dann beschloss ich Dinge zu tun, die ich bislang nie gemacht hatte.

Ich kaufte eine Flasche Whiskey.
Ich begann ein Buch mit mehr als 1000 Seiten zu lesen.

Mittwoch, 4. November 2009

Grandiose letzte Sätze II

Neulich vor der Bar im Nebel. A. rezitiert Rilke.


"Du Dunkelheit

Du Dunkelheit, aus der ich stamme,
ich liebe dich mehr als die Flamme,
welche die Welt begrenzt,

indem sie glänzt
für irgend einen Kreis,
aus dem heraus kein Wesen von ihr weiß.

Aber die Dunkelheit hält alles an sich:
Gestalten und Flammen, Tiere und mich,
wie sie's errafft,
Menschen und Mächte -

Und es kann sein: eine große Kraft
rührt sich in meiner Nachbarschaft.

Ich glaube an Nächte."



Rainer Maria Rilke, 22.9.1899, Berlin-Schmargendorf

Montag, 19. Oktober 2009

Monster. Monstranzen.



Drüben gibt es gar keinen Hügel. Nur Wasser und leichten Dunst. Ich fahre Fahrrad. Ich fahre Bus. Einmal einfach bitte. Nach Hause. Zur Hölle. Heim in Watte. Dorthin, wo der Pfeffer wächst. Intomyveryownprivatebodyplease.

Ich sitze. Ich liege. Ich stehe. Ich gehe.
Die Lenkung ist angenehm. Oder sollte man von Führung sprechen? Von tadelloser Führung?

Ich bin im Gefängnis. Ich bin out of the blue. Ich bin über Los gegangen. Das Spiel ist ermüdend und manchmal zäh aber alle Beteiligten handeln beharrlich und verfolgen ihre Ziele leidensfähig und duldsam.

Ich bin gar nicht da.
Ich bin hier nur angestellt.
Ich wurde hier angestellt.
Von Geisterfäusten.
Nach einem verborgenen und rätselhaften Reihenfolge- und Linienprinzip.

Wir stellen um.
Unsere Zimmer, Essgewohnheiten. Motoren, Produktionsverhältnisse.

All das tangiert mich nur am Rande.
Es wird mitgeteilt aber die Funkverbindung ist schlecht hier am Kap.

Ich sitze.
Ich lüge.
Ich liege.


Bild: Jerome Fino

Montag, 12. Oktober 2009

Nein Danke

Gerade bei Matze auf Ted Gaiers offenen Breif an den Hamburger Senat gestoßen.

Sehr lesenswert (hier).

Kurzer Auszug:

"(...) Wir haben schon verstanden: Wir, die Musik-, DJ-, Kunst-, Theater- und Film-Leute, die kleine-geile-Läden –Betreiber und ein-anderes-Lebensgefühl-Bringer, sollen der Kontrapunkt sein zur „Stadt der Tiefgaragen“ (Süddeutsche Zeitung). Wir sollen für Ambiente sorgen, für die Aura und den Freizeitwert, ohne den ein urbaner Standort heute nicht mehr global konkurrenzfähig ist. Wir sind willkommen. Irgendwie. Einerseits. Andererseits hat die totale Inwertsetzung des städtischen Raumes zur Folge, dass wir – die wir doch Lockvögel sein sollen – in Scharen abwandern, weil es hier immer weniger bezahlbaren und bespielbaren Platz gibt. Mittlerweile, liebe Standortpolitiker, habt ihr bemerkt, dass das zum Problem für euer Vorhaben wird. Doch eure Lösungsvorschläge bewegen sich tragischer Weise kein Jota außerhalb der Logik der unternehmerischen Stadt. Eine frische Senatsdrucksache etwa kündigt an „die Zukunftspotenziale der Kreativwirtschaft durch Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu erschließen“. Eine „Kreativagentur“ soll zukünftig u.a. „Anlaufstelle für die Vermittlung von Immobilienangeboten“ sein. Wer sich die Mieten nicht leisten kann, muss sich als „künstlerischer Nachwuchs“ einsortieren lassen und bei der Kreativagentur um „temporäre Nutzung von Leerständen“ ersuchen. Dafür gibt es sogar einen Mietzuschuss, allerdings nur, wenn „die Dringlichkeit des Bedarfs und die Relevanz für den Kreativstandort Hamburg“ gegeben sind. Unmissverständlicher kann man nicht klarstellen, was „Kreativität“ hier zu sein hat: Nämlich ein profit center für die „wachsende Stadt“.

Und da sind wir nicht dabei. Wir wollen nämlich keine von Quartiersentwicklern strategisch platzierten „Kreativimmobilien“ und „Kreativhöfe“. Wir kommen aus besetzten Häusern, aus muffigen Proberaumbunkern, wir haben Clubs in feuchten Souterrains gemacht und in leerstehenden Kaufhäusern, unsere Ateliers lagen in aufgegebenen Verwaltungsgebäuden und wir zogen den unsanierten dem sanierten Altbau vor, weil die Miete billiger war. Wir haben in dieser Stadt immer Orte aufgesucht, die zeitweilig aus dem Markt gefallen waren – weil wir dort freier, autonomer, unabhängiger sein konnten. Wir wollen jetzt nicht helfen sie in Wert zu setzen. Wir wollen die Frage „Wie wollen wir leben?“ nicht auf Stadtentwicklungs-Workshops diskutieren. Für uns hat das, was wir in dieser Stadt machen, immer mit Freiräumen zu tun, mit Gegenentwürfen, mit Utopien, mit dem Unterlaufen von Verwertungs- und Standortlogik. (...)"

Samstag, 10. Oktober 2009

Reizende Kundenbetreuung

cst_vorne_web

cst_hinten_web



Neulich bestellte ich eine Schallplatte bei dem von mir sehr geschätzten Label constellation in Kanada.
Und bekam einige Tage später nicht nur sehr gute Musik, sondern auch eine kleine Postkarte geliefert.

Ich mag das.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Vic Chesnutt




VIC’S BIO
born jax fla. 1964
adopted
moved to georgia age 5
favorite song kawliga
started writing songs
maternal grandfather played country guitar and wrote songs and grandmother wrote lyrics
favorite song garden party
started playing trumpet age 9
mentor band director randy edgar
favorite song night the lights went out in ga. and delta dawn, and night chicago died
age 13 felt the need to listen to rock’n’roll
ordered 8tracks for a penny, styx, kiss, doobie brothers, taped steve martin over kiss
went to town to buy a rock’n’roll record
sgt. peppers
bought a uke from sears catalog age 15
learned beatles songs
leonard cohen
bob dylan
age 16 playing trumpet in cover band called sundance with 30 year olds
parents gave guitar for christmas 1980 to help vic get over lennon’s murder
sang whip it on stage with sundance
velvet underground
king crimson
coma
tape to tape home recordings
age17 meet johnny cash
just before graduation discovered the new music, elvis, jam, nick lowe, clash, pistols, rem, replacements
gordon junior college
play rhythm guitar in new wave band called random factor
open for baby and the pacifiers in atl.
fired because refused to tuck in shirt
start a new band with todd from dashboard saviors
plays keyboards in proto-industrial electronica duo
sees pil 1982
car crash
can’t play guitar or trumpet but discovers a whole new understanding of music
sells trumpet buys arp synthesizer
writing vacuous pop songs
starts strumming
coma
shoplifts norton anthology of modern poetry it’s footnotes were eureka
stevie smith, wallace stevens, etc.
kafka, great gatsby, salenger
“art feeling”
songs take on adult form
moves to athens to study english
meets the bohemian types
sings at a party where deanna varagona hears him, gets him a gig the next night before the band’s soundcheck
suddenly a solo artist
opening for local bands
listens to the roches
goes to nyc for the first time
hands and legs go numb
after operation can’t play guitar
learned maternal grandfather dies
forms folk-rock band la-di-das
listens butthole surfers, husker du, local bands
free form hard rock jamming
bass in acid rock band angle lake
quits la-di-das
athens folk music and dance society
records “little”
father dies
off to california
meets harry dean stanton, victoria williams, giant sand, bob neuwirth, van dyke parks, etc.
marries tina
paternal grandmother dies
opens 100 shows for bob mould
band with tina and drummer jeffrey(hazeldine)
“west of rome”
speed racer documentary
tours with victoria williams
opening tour for soul asylum (and goo-goo dolls)
“drunk”
allen ginsberg calls vic an idiot
opening tour for live (and angelfish)
mom dies
“brute” with widespread panic
tours europe with giant sand
“is the actor happy”
funny conversations with james dickey
coma
“slingblade”
more european tours
sees nina simone perform
signs with capital
meets joni mitchell
sweet relief
“about to choke”
from the edge, BBC
the end of violence soundtrack duet with michael stipe
“salesman and bernadette”
meets kevin coyne
sessions at w.54th street conan o’brien
“merriment”
soundtrack for “rough south of larry brown”
“left to his own devices”
coma
“Josiah Meigs and Me”
meets wim wenders
“co-balt brute”
“silver lake”
The Late Late Show with Craig Kilborn
produced liz durett’s first record, “husk”
hal wilner’s randy newman tribute project
meets bill frisell
re-released first 4 albums on new west with 28 extra tracks
“ghetto bells”
produced liz durett’s “mezzanine”
blogged on huffingtonpost.com
undertow orchestra
open shows for rickie lee jones
daniel johnston tribute queen elizabeth hall concert
cowboy junkies trinity session 20 year anniversary project
conference for the book, Ole Miss
song on “Just One More, A Musical Tribute to Larry Brown”
dropped from New West
“North Star Deserter”
“dark developments”
honored to play guitar and Turkish pop songstress Nazan Öncel’s album 7′n Bitirdin
composed soundtrack to director Sebastian Schipper’s “Mitte Ende August”
Carnegie Hall R.E.M. tribute
on Dangermouse/Sparklehorse album “Dark Night of the Soul”
“At The Cut”

Tonträger von Vic Chesnutt können u.a. bei Constellation Records betellt werden.
http://cstrecords.com/

Freitag, 2. Oktober 2009

Untergang (unser / aller)



"11 songs to drown to" - a múm mixtape by seaninsound


Ich stand am Pier und riss Seiten aus einem Buch. Über der Stadt: alles Glut.
Dann war Musik in meinem Kopf und ein unbedingter Wille zum Untergang.
Subkutan. Underground. AbindenKeller.

Am nächsten Tag haben wir geheiratet.

Bild: von Kibondo.
Musik: zufällig drübergestolpert auf der Suche nach Unwichtigem. Verzaubert gewesen. Noch immer.

Sonntag, 27. September 2009

Häh?

Produktbild

Gerade eben mit M. auf der Website eines großen deutschen Erotik-Versandhauses darauf gestoßen.

Äh... Häh?

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